Angelika Birck
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16.11.1971 - 7.6.2004

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PTBS

Störungsbild, das sich nach dem Erleben oder Beobachten eines traumatischen Ereignisses (Trauma) entwickeln kann (DSM IV, 309.81; ICD-10, F43.1). Es umfasst folgende Kernsymptome:

  1. Ein andauerndes Wiedererleben des traumatischen Ereignisses. Dies zeigt sich in unkontrollierbaren, überflutenden Erinnerungen an das traumatische Ereignis (Bilder, Gedanken, Alpträume, bei Kindern: Spiele mit traumatischen Inhalten) oder im Handeln oder Fühlen, als ob das traumatische Ereignis sich aktuell wiederhole. Die Konfrontation mit Reizen, die einen Aspekt des ursprünglichen Traumas symbolisieren oder daran erinnern (z.B. Jahrestage, Uniformen, zellenähnliche enge Räume, verhörähnliche Befragungen für politisch Verfolgte, Sirenengeheul für Kriegs- oder Katastrophenüberlebende), ist mit einer intensiven psychischen Belastung und entsprechenden körperlichen Reaktionen (Zittern, Schwitzen etc.) verbunden.
  2. Ein Bemühen, Situationen oder Reize, die dem ursprünglichen traumatischen Ereignis ähneln oder mit diesem assoziiert sind, zu vermeiden. Dies äußert sich in einem bewussten Vermeiden von Gedanken oder Gefühlen, Gesprächen, Aktivitäten, Orten, Menschen oder Situationen, die an traumatische Inhalte erinnern. Manchmal können einzelne Aspekte oder das gesamte traumatische Ereignis, der Zeitraum seines Auftretens oder unmittelbar vorausgehende oder nachfolgende Zeitperioden nicht erinnert werden. In anderen Situationen, Bewusstseins- und Affektlagen werden Erinnerungen manchmal wieder zugänglich. Häufig besteht eine Einschränkung der affektiven Bandbreite (psychische Verflachung), ein vermindertes Interesse oder eine verminderte Teilnahme an Aktivitäten, die früher für die Person wichtig waren, ein Gefühl von Entfremdung sich selbst und anderen Menschen gegenüber sowie das Gefühl einer eingeschränkten Zukunft.
  3. Eine andauernde Übererregung, die vor dem Trauma nicht bestand. Sie kann sich ausdrücken in Schwierigkeiten, ein- oder durchzuschlafen, Reizbarkeit oder Wutausbrüchen, Konzentrationsstörungen, übertriebener Aufmerksamkeit und Wachsamkeit, Nervosität und erhöhter Schreckhaftigkeit sowie begleitende körperliche Reaktionen.

Komplexe PTBS. Nach wiederholten oder lange andauernden traumatischen Ereignissen oder solchen, die von Menschen ausgehen, zeigen sich zusätzlich zur einfachen PTBS oft folgende Symptome (Herman, 1993): unspezifische somatische Beschwerden (z.B. psychosomatische Schmerzen, gastrointestinale Störungen), Veränderungen des Bewusstseins (Gedächtnisstörungen, Amnesien, dissoziative Störungen), affektive Störungen (Depression, chronische Beschäftigung mit Suizidgedanken, autoaggressive Tendenzen, explosive oder extrem gehemmte Wut oder Sexualität u.a.), veränderte Wahrnehmung des Täters (ständige Beschäftigung mit dem Täter etwa in Rachegedanken, paradoxe Dankbarkeit oder Idealisierung des Täters, Übernahme seiner Rechtfertigungen oder Weltanschauung u.a.), Veränderungen des Selbstbildes (Scham, Schuldgefühle, Selbstanklagen, Gefühle von Wertlosigkeit und Stigmatisierung, Veränderung von Weltbildern und Wertesystemen, Gefühle der Fremdheit anderen und sich selbst gegenüber u.a.), Veränderungen sozialer Beziehungen (Misstrauen, sozialer Rückzug, Isolation, Probleme in der Nähe-Distanz-Regulierung, herabgesetzte Fähigkeit, sich selbst zu schützen u.a.).

Verlauf. Die (komplexe) PTBS entwickelt sich meist innerhalb der ersten 6 Monate nach dem traumatischen Ereignis, manchmal aber auch erst nach einer scheinbar symptomfreien Zeit, die mitunter Jahre andauern kann. Die Störung kann nach einige Wochen oder Monaten wieder abklingen, in Belastungssituationen erneut ausbrechen oder über Jahre hinweg chronisch bestehen bleiben (McFarlane, 1996). Nach dem Abklingen der PTBS bleibt eine erhöhte psychische Vulnerabilität bestehen. Oft bestehen neben der PTBS zusätzliche Störungen (z.B. Depressionen).

Behandlung. Kontrollierte Studien belegen die Wirksamkeit von Verhaltenstherapien und psychodynamischen Therapien. Andere psychotherapeutische Methoden werden ebenfalls als wirksam beschrieben, hier liegen jedoch erst wenige Effektivitätsstudien vor. Medikamentöse Behandlung (z.B. Antidepressivae) kann einzelne Symptome günstig beeinflussen und eine sinnvolle Ergänzung zur Psychotherapie darstellen, eine ausschließlich medikamentöse Behandlung ist jedoch nicht indiziert (Foa & Meadows, 1997; Ebbinghaus, Bauer & Priebe, 1996).

Literatur.

  • Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information (Hrsg.) (1995): Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme. 10. Revision. (ICD-10). Amtliche deutschsprachige Ausgabe. Bern, Göttingen: Hans Huber.
  • Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen (DSM-IV) (1996): Übersetzt nach der vierten Auflage des Diagnostic and statistical manual of mental disorders der American Psychiatric Association. Dt. Bearbeitung von H. Saß, H.-U. Wittchen & M. Zaudig. Göttingen, Bern: Hogrefe.
  • Ebbinghaus, R.; Bauer, M. & Priebe, S. (1996). Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung. Fortschritte der Neurologie und Psychiatrie, 64, 433-443.
  • Foa, E. B. & Meadows, E. A. (1997). Psychosocial treatments for posttraumatic stress disorder: A critical review. Annual Review of Psychology, 48, 449-480.
  • Herman, J. L. (1993). Die Narben der Gewalt. Traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden. München: Kindler.
  • McFarlane, A. (1996). The longitudinal course of trauma. Baillieres Clinical Psychiatry, 2 (2), 353-370.

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